Während die drei großen Pferde in Ruhe ihre Bahnen abgehen, hat Bella anderes im Sinn. Die kleine Ponystute gibt Gas und flitzt im aufgeregten Galopp durchs Viereck auf dem Gelände des Reitervereins Hannover. Weil Bellas Antritt aus dem Nichts kommt, hat die kleine Julie Ruf zunächst Mühe, im Sattel zu bleiben. Nachdem sich Bella etwas beruhigt hat, tritt sie wieder urplötzlich an. Trainerin Sybille van Meel nimmt Bella aus dem Viereck und lässt sie an der Longe austoben – ohne Julie im Sattel. „Das ist das beste Beispiel dafür, dass die Pferde dringend bewegt werden müssen“, sagen van Meel und Iris Dewitz, die Vorsitzende des Reitervereins, einstimmig.
„Das Ganze ist sehr runtergefahren“
Wegen der Corona-Pandemie ruht auch der Trainingsbetrieb im und um das Reiterstadion in Vahrenheide. „Das Ganze ist sehr runtergefahren“, sagt Dewitz. Die mehr als ein Dutzend Schulpferde des Vereins für Springreiten und Dressur brauchen aber Auslauf. Sie den ganzen Tag in der Box herumstehen zu lassen, ist unzumutbar. Jeden zweiten Tag gehen sie ins Viereck.
Doch die Corona-Regeln sind streng. Auf 20 mal 40 Meter dürfen maximal vier Pferde gleichzeitig. Jeder Reiter darf sich maximal zwei Stunden um sein Pferd kümmern – putzen, pflegen, reiten. Meist sitzen die jüngeren Vereinsmitglieder im Sattel. Es ist ein schlichtes Bewegen der Pferde, keine speziellen Dressurschrittfolgen, keine Hindernisse, keine Sprünge. An den anderen Tagen bekommen die Pferde Auslauf auf dem Paddock.
Dewitz hat ein Auge drauf, jeden Tag ist sie auf dem Vereinsgelände, um nach dem Rechten zu sehen. Sie achtet ganz genau darauf, ob die Sicherheitsabstände überall eingehalten werden – auch und gerade im engen Stall.
Veranstalten, absagen, verschieben?
Als Vereinsvorsitzende trägt sie die Verantwortung. Dass der Betrieb ruht, „trifft Kinder und Jugendliche besonders hart, wir mussten alle geplanten Kindergeburtstage mit Ponyreiten absagen“. Und nicht nur das. Auch das traditionelle, für den 28. März angesetzte Vielseitigkeits-Meeting, bei dem regelmäßig Olympiastarter dabei sind, wurde ersatzlos gestrichen. Ende Mai stehen die Regionsmeisterschaften für Dressur und Springen an – doch es ist nicht abzusehen, ob sie stattfinden können. „Wir möchten sie sehr gerne veranstalten“, sagt Dewitz, „aber wir müssen es abwarten. Wir überlegen auch, es zu verschieben.“ Doch der Terminkalender ist schon voll und eng getaktet.
„Wir müssen ja Turniere veranstalten, die Stadt gibt das vor“, erklärt Dewitz. Doch die Corona-Zeiten machen es unmöglich. Zum Glück, so Dewitz, habe der Verein keine Existenzprobleme. „Aber man weiß ja nicht, wie sich die Situation entwickelt und wie lange sie so anhält.“ Die zappelige Bella hat sich mittlerweile ausgetobt und wieder beruhigt. „Gegenüber den großen Pferden fühlt sie sich auch ein bisschen klein und wollte zeigen, dass sie auch da ist“, erklärt Trainerin van Meel Bellas Galoppeinlage.
Reiten in Zeiten von Corona: Auf 20 mal 40 Meter dürfen maximal vier Pferde gleichzeitig. Jeder Reiter darf sich maximal zwei Stunden um sein Pferd kümmern.
© Florian Petrow
Ein paar Kilometer weiter nördlich bietet sich ein ähnliches Bild. Auch beim Reit- und Fahrverein Isernhagen ist der Betrieb darauf beschränkt, die Pferde in Bewegung und bei Laune zu halten. „Wir stehen auf der Stelle“, sagt Vereinsvorsitzende Elke Gerns-Bätke. Klar, an die Ausrichtung von Turnieren sei aktuell nicht zu denken, sie wünscht sich aber sehnlichst, dass wenigstens bald wieder Schulunterricht stattfinden kann. Denn das bringt Einnahmen, die gerade wegfallen. „Wir haben laufende Kosten für die Schulpferde, dazu müssen wir die Reitlehrerinnen bezahlen.“ Unterrichtsstunden mit zumindest zwei, drei Schülern wären da schon hilfreich. Alle Reitvereine haben die Hoffnung, dass bald die Beschränkungen gelockert werden.
Großer Preis von Isernhagen? Ungewiss.
Und was ist mit dem Großen Preis von Isernhagen, dem Prestigeturnier des Vereins im Sommer? Ob der Termin vom 25. bis 28. Juni zu halten ist? Ungewiss. Die treuen Sponsoren hätten zwar ihre Bereitschaft erklärt, feste Zusagen kann aber niemand machen. „Wir alle stehen in den Startlöchern für den Großen Preis. Wir haben noch keine Absagen“, sagt Gerns-Bätke, die Ende April eine Entscheidung für oder gegen den Großen Preis treffen will und muss.
Eine Geisterveranstaltung ohne Zuschauer, wie sie im Galoppsport geplant sind, seien „undenkbar“, betont Gerns-Bätke. „Wir sind auf unsere Zuschauer angewiesen. Und ohne Zuschauer auch keine Sponsoren.“
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