Eigentlich sollte auf dem Gut Groß Viegeln in dieser Woche die DKB Pferdewoche stattfinden. Eine stark abgespeckte Version im Vergleich zu den Vorjahren, als Veranstalter Holger Wulschner die internationale Elite zu seinem hochdotierten Turnier auf der idyllischen Anlage nahe Rostock lockte. Wegen der Olympischen Spiele in Tokio war er vom angestammten Sommer-Termin auf die Woche nach Ostern ausgewichen. Die Spiele in Japan mussten aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben werden und auch Wulschners Turnier kann nicht stattfinden.
Der 56-jährige Springreiter hofft aber, dass das nicht das letzte Wort bleiben muss. „Wenn es grünes Licht gibt, wollen wir es Ende Mai, Anfang Juni nachholen.“ Seit Mittwoch ist klar: Mit Zuschauern wird das bis Ende August nicht möglich sein. Auch im Pferdesport geht weltweit derzeit nichts mehr. Alle Turniere sind für unbestimmte Zeit abgesagt.
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass in dieser Saison noch internationale Turniere stattfinden. Ich würde es mir wünschen, halte es aber für unrealistisch“, sagt Wulschner, der u.a. mehrere Nationenpreise, das traditionsreiche Hamburger Derby und die deutschen Meisterschaften in seinem Wettkampfkalender stehen hatte. Das Derby in Hamburg-Klein-Flottbek wurde von der Himmelfahrtswoche – noch ohne festen Termin – in den Sommer verschoben, die nationalen Titelkämpfe im sauerländischen Balve vom Mai in den September. Ob dann tatsächlich wieder geritten werden kann, ist mehr als ungewiss.
Wie alle seine Kollegen befindet sich Wulschner im Wartestand. Doch der Betrieb auf seinem Gut in Groß Viegeln muss trotz der Corona-Krise weitergeführt werden. „Füttern, reiten, die Pferde bewegen, ausmisten – die Arbeit geht bei uns normal weiter“, erklärt der gebürtige Brandenburger, der seit Jahrzehnten in Mecklenburg zuhause ist.
Sechs Mitarbeiter kümmern sich um das große Gut und die insgesamt 60 Pferde. „Es gibt genug Arbeit, ich will keinen in Kurzarbeit schicken“, sagt der Chef, der von früh morgens bis abends selbst mit anpackt. Seine Anlage gilt als eine der schönsten im Norden.
Das Problem: „Die Kosten laufen weiter, aber wir haben derzeit keine Einnahmen“, erklärt Wulschner. Im Schnitt belaufen sich die monatlichen Aufwendungen auf 20 000 bis 22 000 Euro. Mögliche Preisgelder von Turnieren und vor allem Einnahmen durch den Verkauf von Pferden fehlen derzeit in der Kasse des kleinen Unternehmens. Der Handel mit den Tieren sei durch die Kontakt- und Reisebeschränkungen in der Corona-Krise vollständig zum Erliegen gekommen, sagt Wulschner: „Interessierte Kunden oder auch Veterinäre können nicht herkommen.“
Auf der anderen Seite spart er zwar die Turnierkosten (Nenngelder, Reisekosten). Dennoch lebe sein Betrieb derzeit von der Substanz. „Ich versuche es so lange wie möglich zu schaffen, aber ich kann es nicht ewig durchhalten“, meint der einstige Derbysieger und vielfache Nationenpreisreiter: „Ich will meine Leute nicht in Kurzarbeit schicken, sie haben alle Familien.“
Begonnen hatte das neue Jahr für Holger Wulschner verheißungsvoll. Drei Monate ritt er mit drei Pferden bei Turnieren in Dubai, knüpfte neue Kontakte, auch zu potenziellen Kunden. Zwischendurch gönnte er sich mit Ehefrau Astrid ein paar Tage Urlaub in dem Emirat, seit Anfang März ist er zurück in Deutschland.
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