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Fürs Foto zeigt Noah eine Balanceübung auf dem 13-jährigen Wallach „Vitali“. FSJ-lerin Maike Natzel hat die beiden im Blick. Foto: Sigrid Scheel
( Foto: Sigrid Scheel)
WONSHEIM – 300 Quaderballen Heu werden jährlich an die 26 Pferde in der Reitanlage des Vereins Interessengemeinschaft Therapeutisches Reiten Rhein-Nahe verteilt. So ein Ballen wiegt bis zu 150 Kilogramm. Für den Transport vom Heustapel draußen unter dem Vorbau der Halle zu der kleinen Lagerfläche im Flur der Boxen steht dem Helferteam deshalb ein Traktor mit Gabelfrontlader zur Verfügung. Das Fahrzeug wurde gebraucht gekauft. „Nun, die Einnahmen aus Therapie und Sport decken gerade die Hälfte der betriebswirtschaftlich entstehenden Kosten. Dank der ehrenamtlichen Helfer entfallen aber erst gar keine“, erklärt Vorsitzende Dr. Susi Fieger. „Dennoch, 25 Prozent der Kosten bleiben ungedeckt, wenn nicht immer wieder jemand etwas spendet.“
Hoher Pflegeaufwand für die Tiere geht ins Geld
Auch der hohe Pflegeaufwand für Pferde sei ein finanzieller Aspekt beim Haushalten des Vereins. Für Wurmkuren, Impfungen und tierärztliche Versorgung müssen Mittel vorhanden sein. Der spezielle Reithallenboden mit dem feinen Belag aus unverottbaren, synthetischen und mineralischen Materialien braucht eine besondere Pflege, weil er schneller verschleißt. Der Elektrolifter braucht Strom. Das technische Hilfsmittel ist unerlässlich in der Therapie für Menschen mit Behinderung.
So wie für Noah. An der Rampe wird er auf dem Sessel des Lifters langsam auf den Rücken des 13-jährigen Wallachs „Vitali“ herabgelassen. Eigenständig kann Noah nicht auf das Therapiepferd steigen, aber im Anschluss nach den Runden mit Hilfe heruntergleiten. Der 14-Jährige lebt mit einer leichten geistigen Behinderung und ist „sehr hypoton“, wie seine Mutter Karin Brendel-Lang erklärt. Wegen der Muskelhypotonie kann Noah nur vermindert Kraft oder Spannung mit seinen Muskeln aufwenden. Seine Angst vor Körperkontakt ist geringer geworden. „Mittlerweile ist er sehr mutig, die Therapie tut ihm sehr gut. Er geht jetzt gerne in die Behandlung.“ Karin Brendel-Lang nimmt die halbe Stunde Autofahrt von Waldalgesheim seit vier Jahren gerne auf sich, damit ihr Sohn weiter Fortschritte in der Hippotherapie macht und seinen Muskelapparat stabilisiert. „Er ist auch selbstsicherer geworden und kann in der Förderschule seine Bedürfnisse besser zum Ausdruck bringen.“ Inzwischen galoppiert Noah auf dem Pferd, hält Balance mit einem angewinkelten Bein auf dem Rücken von Vitali. Am Langzügel führt Maike Natzel den Wallach in seinen Runden bei der Therapieeinheit. 25 Minuten dauert die Behandlung.
GRÜNDUNGSJAHR
Die ausgebildeten Pferde werden nach den Erfordernissen zuvor ausgewählt, nach Gangfrequenz und Schwingung und Rückenbreite. 16 sind es derzeit. Vitali kann auch Patienten mit einem Gewicht von 90 Kilogramm tragen.
„Natürlich leiden die Pferde nach rund 20 Jahren unter Rückenschäden“, sagt Fieger und freut sich darüber, wenn Stallbesitzer die Pferde im Rentenalter übernehmen und pflegen.
Maike Natzel ist froh, dass sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Reitanlage entschieden hat. Sie ist mittlerweile Trainerassistentin. In der Therapieeinheit laufen immer ein ausgebildeter Therapeut und ein Helfer mit.
Auslauf auf der Koppel als Ausgleich
Jedes Pferd muss ausgebildet werden, braucht täglich Auslauf auf einer befestigten Koppel als Ausgleich. Für Dr. Susi Fieger ist auch wichtig zu betonen: „Ältere erfahrene Pferde sind unverzichtbar für eine unfallfreie Arbeit – können aber nicht mehr so viel eingesetzt werden und erarbeiten ihre laufenden Kosten nicht selbst, ebenso wie die jungen Pferde in Ausbildung noch nichts „verdienen“.
Noah jedenfalls wird mit Wallach „Vitali“ therapiert und diese Beziehung ist sichtlich fruchtbar.
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