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Viel Bewegung an der frischen Luft ist gut für Pferde. Statt im Stall zu stehen, reicht da manchmal auch schon ein Auslauf, wo die Tiere Kontakt zur Außenwelt und zu ihren Artgenossen haben. (INGO WAGNER, dpa-tmn)
Manche haben gar nicht die Möglichkeit, andere wissen es vielleicht einfach nicht besser: Manch ein Reitstall ist nicht gerade artgerecht für Pferde. Aber was brauchen Pferde wirklich? In vielen Pferdeställen hat sich in den vergangenen Jahren langsam aber stetig etwas getan. Das Leben dort ist pferdegerechter geworden. Die Boxen sind größer und heller, durch ein Fenster oder einen kleinen Paddock haben die Tiere Kontakt zur Außenwelt. Sie dürfen häufiger gemeinsam mit mindestens einem Artgenossen stundenweise raus auf die Weide oder in den Auslauf. Oder sie verbringen die Zeit ohnehin mit ihrer Herde rund um die Uhr im Freien.
„Die Pferdehalter legen einfach viel Wert darauf, dass ihre Tiere ordentlich untergebracht sind“, sagt Uta Helkenberg vom Deutschen Reiterverband in Warendorf. Im Reitstall Lindemann in Hepstedt etwa können viele der rund 30 Pensionspferde einen Paddock an ihrer Box nutzen, einen umzäunten Auslauf. Kaum sind die Stalltüren auf, geht es raus, denn die Tiere brauchen Bewegung, weiß die 33-jährige Pferdewirtin Jana Meyer-Lindemann, die seit zwölf Jahren zusammen mit ihren Eltern Jutta und Friedhelm Lindemann den Reitstall in Hepstedt an der Breddorfer Straße betreibt.
Der Tierschutz hat in Deutschland inzwischen einen hohen Stellenwert, davon profitieren auch die Pferde. Noch in den 1990er-Jahren sah das oft anders aus. Damals lebten viele Pferde in kleinen, rundherum vergitterten Boxen bei schlechter Luft – oder sogar angebunden in Ständern. „Diese Ständerhaltung ist heute in ganz Deutschland verboten“, sagt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Frei bewegen konnten sie sich so gut wie nie, der Kontakt zu den Artgenossen beschränkte sich auf ein Beschnuppern durch die Gitterstäbe.
Das Resultat dieser Haltung waren Verhaltensstörungen, Probleme mit dem Bewegungsapparat oder mit der Atmung. Doch das gehört nicht überall der Vergangenheit an. Denn trotz aller Fortschritte lässt die Pferdehaltung – gemessen an den Bedürfnissen dieser Tiere – oft immer noch zu wünschen übrig. „Das hat sich bis heute zwar schon im großen Stil verändert, aber es ist auch noch viel zu tun“, formuliert es Christiane Müller vom Präsidium des Reiterverbandes.
In der Natur ist ein Pferd den ganzen Tag lang gut beschäftigt. Etwa 16 Stunden lang ist es inmitten seiner Herde am Grasen und läuft dabei gemächlich vor sich hin. Pferde sollten mehrere Stunden täglich mit ihren Artgenossen nach draußen dürfen. So legt ein Tier am Tag etwa acht Kilometer zurück. Außerdem betreibt es gerne mit seinen Artgenossen gegenseitige Fellpflege, spielt mit ihnen, wälzt sich im Dreck oder sonnt sich.
„Zum Leben in einer Herde brauchen Pferde Strukturen und soziale Kontakte“, wissen auch Herbord und Uta Schröder von der Naturreitschule Worpswede. Deshalb sollten Pferde nie einzeln, sondern immer in Gruppen gehalten werden, sagen sie. Es müsse genug Platz da sein, damit sie sich ausweichen können.
Staub- und bakterienfreie Luft
Die Pferdelunge braucht frische Luft, sie ist empfindlich. „Auf Dauer verträgt sie nur staub- und bakterienfreie Luft“, heißt es bei der Laufstall-Arbeits-Gemeinschaft (LAG) in Bergkirchen. Auf dem Reiterhof Lindemann kommen die Tiere um 8 Uhr auf die Weide und erst am Nachmittag wieder zurück in den Stall, das erzählt Jana Meyer-Lindemann. „Bei uns sind sie im Sommer und im Winter auf der Weide, das ist pferdefreundlicher.“ Das sehen Herbord und Uta Schröder genauso. Die einzige Einschränkung sei bei Regen und gleichzeitigem Wind. Dann suchten sich die Pferde ein windgeschütztes Plätzchen hinter Büschen oder Häusern, bei starker Sonne und Ungeziefer einen Ort im Schatten oder im Offenstall.
Die Boxenhaltung widerspricht den Bedürfnissen der Tiere. Die Luft in den Ställen ist meist nicht die beste. „Pferde brauchen ständig frische Luft“, betonen Herbord und Uta Schröder vom Weyerberg. Auch wenn nicht alle Pferde in einer Offenstallhaltung leben könnten, so sei es heute möglich, Paddockboxen oder zumindest Boxen mit direkten Fenstern zur frischen Luft zu bauen.
Außer zu den Mahlzeiten und beim Reiten haben die Pferde nichts zu tun, sie langweilen sich – und können sogenannte Untugenden entwickeln. Diese sind wegen der insgesamt besseren Haltung zwar seltener geworden, aber in den Ställen immer noch zu beobachten. Hierzu gehören das Koppen und das Weben. Beim Koppen setzt das Pferd seine Zähne auf eine Kante und saugt Luft ein. Beim Weben schaukelt es im Stehen von einem Bein auf das andere. Ungemütlich für den Reiter werden andere Untugenden wie das Bocken, Steigen oder Durchgehen.
„Bei der Boxenhaltung fehlen dem Pferd zum einen die weite Sicht mit wechselnden Sinneseindrücken“, sagt Tünte. „Außerdem mangelt es an der Möglichkeit zur ständigen Bewegung.“ Diese ist wichtig für das Pferd, denn sein Körper ist auf viel Bewegung im überwiegend langsamen Tempo ausgerichtet. Das Pferd 23 Stunden im Stall stehen zu lassen und es dann eine Stunde lang beim Reiten stark zu beanspruchen, schade ihm.
Ideale Pferde-Boxen sollten groß genug und die Stallgasse schön hell sein, wie zum Bespiel im Reitstall Lindemann in Hepstedt. In der herkömmlichen Boxenhaltung wird zwei- bis dreimal täglich gefüttert. Manche Halter wollen aber zu viel des Guten und geben zu viel eiweißreiches Kraftfutter, das ist vor allem Hafer. Die Krippen werden mitunter zu voll gemacht, Müller vermutet hier einen psychologischen Hintergrund. „Was für uns Menschen der Teller ist, ist für das Pferd die Krippe. Und wir wollen ihm eben etwas Gutes tun“, sagt sie. Doch ein ständiger Eiweißüberschuss kann das Tier krank machen.
In Sachen Fütterung gebe es leider immer noch kein Umdenken, berichtet Müller. So wird auch zu wenig Rauhfutter – also Heu und Stroh – gegeben. Im Gegensatz zum Hafer, der schnell gefuttert ist, müssen die Pferde beim Heu und Stroh lange kauen. Jana Meyer-Lindemann füttert Heu – das sei gut für den Verdauungsapparat der Pferde und beschäftige sie. Pferde sollten maximal vier Stunden lang nichts zu fressen zu haben, denn ihr mit etwa 20 Metern extrem langer Darm muss etwas zu tun haben. Anderenfalls drohen Koliken, die auch lebensgefährlich werden können.
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